In Memoriam: EUROPA-PARK – „Piraten von Batavia“

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"So enden meistens die Verräter!" - Szene aus "Piraten von Batavia"
„So enden meistens die Verräter!“ – Szene aus „Piraten von Batavia“

„Was wollt Ihr hier? Das ist die Pier für die Schiffe nach Batavia!“
– Pirat am Einstieg in die Boote der Attraktion „Piraten von Batavia“

Die Attraktion „Piraten von Batavia“ wurde 1987 als Erweiterung und Hauptattraktion des Niederländischen Themenbereichs des Europa-Park eröffnet. Der Besucher erlebte hier eine Fahrt in einem Boot durch die Welt von Niederländisch-Ostindien zur Kolonialzeit, genauer gesagt einen Überfall von Surabaya-Jim und seinen Piraten auf die niederländische Handelsniederlassung Batavia. Die Welt ist eines der Meisterwerke des langjährigen Europa-Park-Architekten Ulrich Damrau, der früh erkannt hatte, dass man den Besuchern etwas zum Anschauen und Fotografieren bieten musste. Entsprechend detailverliebt präsentierten sich die „Piraten“ schließlich und wurden im Lauf der Zeit noch erweitert. Die letzte große Neubearbeitung erfuhr das Fahrgeschäft, als es zum wesentlichen Bestandteil des vom Europa-Park entworfenen Erzählkonzepts „Adventure Club of Europe“ werden sollte. Der Gründer des „Adventure Club of Europe“ war der Erzählung nach der Niederländer Van Robbenmond, der nach einem legendären Dolch, dem „Feuertiger von Batavia“ gesucht und diesen auch gefunden hat. Der schreckliche Fluch der Klinge führte bei Van Robbenmond allerdings zu einem Gesinnungswandel und führte zur Gründung des „Adventure Club of Europe“, der den letzten großen Geheimnissen unseren Planeten nachspüren sollte. Das Logo des „A C E“ soll Van Robbenmond eingefallen sein, als er das Logo der „Vereenige Oost-Inda Companie“ („V O C“) auf dem Kopf stehend gesehen hat.

In diesem Artikel soll die Attraktion, die beim Großbrand im Europa-Park am 26. Mai 2018 ein Raub der Flammen wurde, etwas genauer betrachtet werden.

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Einer der Piraten im Anstehbereich.
Einer der Piraten im Anstehbereich.

Eingang / Anstehbereich

Der Eingang der „Piraten“ war ein großes Tor mit einer Anstehschlange, die sich um quergeführte Reihen je nach Ansturm erweitern ließ. Die Besucher gingen hier an verschiedenen Szenen vorbei, schlafende Piraten, schleichende Piraten, Soldaten, die einen Brunnen bewachen, bis man schließlich oben in der Stube eines wichtigen Offiziers angekommen war, der sich zusammen mit einem Adjudanten eine Karte betrachtete. Daneben war ein armer Untergebener damit beschäftigt, den Inhalt einer heruntergefallenen Schüssel wieder aufzuheben, während neben ihm eine Dame zu fremdartigen Klängen tanzte.

Eine Station weiter befand sich der Besucher im großen Verteidigungsturm mit den Kanonen, die in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen ein lautes Donnern von sich gaben. Von hier aus musste man noch durch einen kurzen Gang und befand sich nun direkt im Einstiegsbereich. Hier ging es in die eigentliche Attraktion, die kleinen Boote, die die Besucher durch Batavia fahren sollten.

Einstiegsbereich / Vor der Rampe

"Was wollt Ihr hier? Das ist die Pier für die Schiffe nach Batavia. Surabaya-Jim hat in der Stadt ganze Arbeit geleistet. Batavia brennt - und Ihr wollt da hin? Oh yes, Batavia is burning - la ville est en flamme! Gut, ich war auch dort, und wie Ihr seht, es hat mir nicht geschadet."
„Was wollt Ihr hier? Das ist die Pier für die Schiffe nach Batavia. Surabaya-Jim hat in der Stadt ganze Arbeit geleistet. Batavia brennt – und Ihr wollt da hin? Oh yes, Batavia is burning – la ville est en flamme! Gut, ich war auch dort, und wie Ihr seht, es hat mir nicht geschadet.“

Nachträglich ist es eine bittere Ironie, dass die Besucher am Einstiegsbereich von einem Piraten empfangen werden, der ihnen mitteilt, dass „Batavia brennt„, aber das ist nun mal das Leben. Der Besucher stieg an der Stelle in das Boot, das dann in den Kanal entlassen wurde. Die erste Station war ein Pirat, der eine Weinflasche entkorkte und die Gäste direkt ansprach: „Prost – lekker smaken! Ey Leute, Ihr wollt doch nicht etwa da runter? C’est dangereux! Vous etes foux – crazy! Ach, geht zum Teufel!  Allez en enfer!“ Was der Pirat damit meinte, wurde dem Besucher nach der nächsten Kurve klar: Das Boot fuhr auf eine Schiene und eine Rampe nach unten, während von oben Teile eines Tempels einbrachen.

"Allez en enfer!"
„Allez en enfer!“

Piratenschiff / Die Piraten überfallen die Stadt

Der Besucher landete damit genau in dem Konflinkt zwischen den Piraten und den Soldaten, die Batavia verteidigten und sich – wie es bei guten Piraten üblich ist – Beleidigungen an den Kopf warfen: „Pass auf, Du Vogelscheuche, hier kommt holländisches Blei!“ Dem Donner der Kanonen entkommen fuhr das Boot mit seinen Passagieren durch eine Öffnung in der Mauer von Batavia mitten hinein in eine Szenerie, die im einzelnen zu beschreiben hier eine fast unmögliche Aufgabe ist. Da war der Sklavenmarkt, der Pirat, der auf einem Schwein reitet, der Pirat, der eine Kiste nach unten reicht, das Kind, das einen der Piraten bedrängt, der Betrunkene auf der Brücke, das brennende Haus (die zweite bittere Ironie, da die Figur hier sogar rief: „Hilfe! Hilfe! Das ganze Haus steht in Flammen!“), die Piraten, die durch die Stadt streichen, bis hin zum großen Essensmarkt. Bemerkenswert fand ich persönlich immer eine Figur, bei der ich mir nicht helfen kann – sieht dieser Pirat nicht aus wie Ulrich Damrau?

Einer der Piraten in der Szenerie.
Einer der Piraten in der Szenerie.

Entscheidet selbst:

Ulrich Damrau - Bild: Europa-Park
Ulrich Damrau – Bild: Europa-Park

Piratenhöhle / Dschungel

Nach dem Überfall ging es in die Piratenhöhle, in der arme gefangene einen Affen zu bestechen versuchten, ihnen den Schlüssel zu ihrer Zelle zu geben, während nebenan der sinistre Anführer der Piraten dabei war, ein Mannschaftsmitglied abzuurteilen. Gegenüber der Höhle wurde später ein Tiger hingestellt und in die Geschichte vom „Feuertiger von Batavia“ eingebunden. Die Tigerfigur mit den leuchtenden Augen stand ursprünglich mal in der Dschungelfloßfahrt, wurde dort allerdings entfernt, als diese Floßfahrt auf das Thema „Afrika“ geändert wurde – und wie jeder inzwischen wissen dürfte, gibt es keine Tiger in Afrika.

"So enden meistens die Verräter!" - Szene aus "Piraten von Batavia"
„So enden meistens die Verräter!“ – Szene aus „Piraten von Batavia“

Dschungel / Bamboe Baai

Nach der Höhle traf der Besucher auf eine Familie mit einem Karren, die offenbar versuchte, der Stadt zu entkommen. Hier kam auch im Rahmen der Erzählung um den „Feuertiger“ die Figur des Piraten dazu, den die Besucher schon am Einstieg getroffen hatten. Er hielt eine Kiste in Händen und sagte: „Da seid Ihr ja wieder. Na, habe ich zu viel versprochen?“ Mit diesen Worten öffnete er die Kiste und gab den Blick auf den „Feuertiger“ frei, der darin lag. Die weitere Fahrt führte durch den Dschungel und „das Paradies“, wie sich selbiger Pirat ausdrückte: „Bamboe Baai“. Ursprünglich war es eine reine Dschungellandschaft mit einem Tempel, die die Besucher durchquerten, bevor es aus der Attraktion herausging. Später wurde der Tempel zur Bühne umgebaut und der Dschungel zu einem asiatischen Restaurant.

Bamboe Baai.
Bamboe Baai.

Damit war die Fahrt zu ende. Je nach Tageszeit und Andrang konnten die Besucher in zwei verschiedene Richtungen gelotst werden, entweder durch das Restaurant oder direkt nach draußen.

Die Halle der „Piraten von Batavia“ grenzte auf der einen Seite direkt an den Skandinavischen Themenbereich (im Souvenirladen konnte man, wenn man genau hinhörte, die Geräuschkulisse der „Piraten“ hören), auf der anderen Seite an den Verwaltungsbereich des Parks und eine Lagerhalle. In dieser Lagerhalle brach aus noch ungeklärter Ursache am 26. Mai 2018 ein Feuer aus. Das Feuer griff rasch um sich und erfasste auch die Halle der „Piraten“. Geschäftsführer Michael Mack hat noch in der gleichen Nacht auf Twitter gepostet: „Lost Batavia … completely“, daher müssen wir davon ausgehen, dass die Attraktion durch das Feuer völlig zerstört wurde (im Gegensatz zum Skandinavischen Themenbereich kursieren hier keine Bilder im Internet, die das Ausmaß der Zerstörung zeigen). Inwieweit andere Attraktionen des Niederländischen Themenbereichs direkt betroffen sind, ist noch nicht bekannt gegeben worden, auf jeden Fall ist der komplette Bereich erst einmal gesperrt und keine der Attraktionen in Betrieb. Das betrifft konkret folgende Fahrgeschäfte und Restaurantbetriebe:

  • Koffiekopjes
  • Piraten in Batavia
  • Ballpool
  • Kindermusical
  • Restaurant Bamboe Baai & Bamboe Baai Show
  • Molencafé
  • Friethuys

Die Ermittlungen zur Brandursache wurden noch am Sonntag aufgenommen. Was weiter geschehen wird, wird der Europa-Park in nächster Zeit noch bekannt geben.

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