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Kategorie: Geschichten (Seite 2 von 2)

Jules Verne: Die neuen Abenteuer des Phileas Fogg – Folge 1: Entführung auf hoher See

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https://youtu.be/AfG4jxwST6o
Jules Verne ist einer der großen Science-Fiction-Autoren Europas. Seine Spuren sind auch im Europa-Park zu sehen, besonders seit Steampunk dort Einzug gehalten hat. In dieser Hörspielreihe von highscoremusic / Maritim werden die klassischen Geschichten Vernes neu interpretiert: Phileas Fogg, der die Welt in 80 Tagen umrundet hat, zieht auf neue Abenteuer in der Welt von Jules Verne…

Mac Simum meldet sich zurück – Eine EXPEDITION-R-Kurzgeschichte

An diesem Morgen betrat Zach Urity den Hauptraum der Zentrale des PHANTASTISCHEN PROJEKTs im Haus Seeweg 24 so, wie er dies jeden Morgen tat. Zugegeben, “jeden Morgen” muss man natürlich relativ sehen, denn es gab auch Tage, an denen hatte er frei oder Urlaub und war nicht da. Dann hielt er sich natürlich nicht in der Zentrale auf. Sonst aber schon. So wie an diesem Morgen, einem Montag Morgen im Januar. Und wenn er das tat, hatte er eine feste Routine. Er sah nach den Heizungen, die jeden Morgen umgestellt werden mussten. Er kontrollierte den Zentralcomputer, ob dieser in der Nacht irgendetwas ungewöhnliches protokolliert hatte. Und wenn es nötig war – wie im Winter an fast jedem Tag – machte er im Hauptraum das Licht an.

Zach nahm seine Aufgabe sehr ernst. Auch wenn er nur ein Helfer beim PHANTASTISCHEN PROJEKT war, wusste er doch, dass ohne ihn ein kleines Chaos ausbrechen würde. Er sah sich in dem kleinen Raum um. Die Zentrale war in den Boden gebaut und hatte deswegen an den Außenseiten schräge Wände, was dem Zimmer ein etwas beklemmendes Gefühl gab. Ein großer Teil wurde von einem Tisch mit einer dunklen Tischplatte eingenommen, um den vier Stühle drapiert waren. An der Wand hing ein Display, dass sich über den Computer ansteuern ließ. Eine große Wand trennte die Garage ab und an einer kleineren stand ein Regal voller Bücher. Geballtes Wissen auf Papier.

Zach hob den weißen Helm, den er immer trug, an der Stirnseite leicht an und kratzte sich über der Stirn. Sollte er den Reinigungsroboter laufen lassen? Doch bevor er sich noch zu einer Entscheidung durchringen konnte, hörte er draußen das Geräusch eines Autos, das vorfuhr. Er zog seine Stirn in Falten. Die bisherigen Fahrzeuge hatte er am Geräusch erkannt, aber seit einem halben Jahr war der Fuhrpark neu. Und die neuen Autos mit ihren neuen Motoren hatte er noch nicht so drauf. Wer da wohl kam? Und vor allem: Um diese Uhrzeit? Weitere Gedanken konnte er nicht fassen, denn er hörte, wie jemand ausstieg. Dann war kurz Ruhe. Ein Kofferraum wurde geöffnet und irgendetwas entladen. Die Kofferraumklappe geschlossen. Zuletzt hörte er das Klacken einer Zentralverriegelung, die einschnappte. Dann Schritte. Jemand ging auf die Tür in der großen Wand zu. Diese ging kurz danach auf und Mac Simum betrat den Raum.

“Mac!”, rief Zach überrascht. “Was machst Du denn hier?”

“Grüß Dich”, erwiderte der Angesprochene. “Der Europa-Park hat gestern seine Wintersaison beendet und ich dachte mir, es wäre gut, mal für eine zeitlang in die Zentrale zu kommen.”

Mac Simum war Mitte vierzig, er trug eine schwarze Baseballmütze mit dem Schriftzug “EUROMIR”, einen roten Fleecepulli mit aufgestickten Sternen und Jeans. Er hatte einen kleinen Koffer im Schlepptau, den er an einem Gestänge hinter sich herzog.

“Okay”, grinste Zach. “So langsam kommen alle zurück. Aber ich warne Dich jetzt schon, Du solltest nicht mit allzu viel Gesellschaft rechnen.”

Mac nahm auf einem der Stühle Platz. Er hatte das Gefühl, sich setzen zu müssen, obwohl er natürlich die ganze Fahrt über gesessen war. Aber der Winter hatte Einzug gehalten in Süddeutschland, und die Fahrt über die B 31 durch das Höllental war nicht einfach gewesen. Mal einen Moment sitzen, ohne über den Zustand den Fahrbahn nachdenken zu müssen, das erschien ihm nun ganz angenehm. “Wie meinst Du denn das?”, fragte er.

Der fröhliche Gesichtsausdruck seines Gegenübers änderte sich nicht. “Alle sind irgendwie ganz beschäftigt”, erklärte jener fröhlich. “Melville hängt den ganzen Tag in der Computerzentrale und liest sich durch Seiten von Code. Jack hat sein Rätsel vom Meister vom Bodensee gelöst-”

“Oh, hat er?”, unterbrach Mac. “Er hatte mich angerufen und gefragt, ob wir die EXPEDITION R nicht erweitern wollen. Interessante Idee. Aber warum ist er dann nicht hier?”

“Wollte ich gerade sagen”, meinte Zach, “des einen Rätsels Lösung hat ein anderes Rätsel hervorgebracht und er ist gerade dabei, eine neue Reise zu planen. Was Dan betrifft, der gondelt irgendwo rum, wirkt aber recht… angespannt, wenn ich das mal so sagen darf. Und Hoaxley hat sich aus dem Staub gemacht, so wie es aussieht.”

Mac nickte vorsichtig, doch schon setzte Zach nach: “Was ist eigentlich mit Dir?”

“Mit mir?”

“Ja, ich habe gelesen, es wurde eine Stelle als offizieller Reporter für den Europa-Park ausgeschrieben. Hast Du Dich da nicht beworben.”

Mac winkte ab. “Ich habe es auch gelesen, aber ich glaube nicht, dass ich der richtige Mann für diesen Job bin.”

“Wieso nicht?”

“Erstens mal, sieh mich an. Über 40, in einigen Dingen absolut nicht auf der Höhe der Zeit. Ich denke nicht, dass man für ein junges Zielpublikum jemanden wie mich nehmen würde, der irgendwelche komischen Sachen erzählt. Zweitens, Du weißt, dass das Achterbahnfahren nicht so meins ist. Zwar soll dieser Reporter auch über die vielen anderen Aktivitäten des Parks berichten, aber wenn er nichtmal die großen Attraktionen des Parks fährt, ist er sicherlich kaum der richtige. Nehmen wir doch mal die neue Attraktion, die nächstes Jahr eröffnet werden soll, Projekt V. Ich weiß nicht, ob ich da reingehen soll. Da hängt man in Sitzen, die sich bewegen, mehrere Meter über dem Boden. Meine Höhenangst wird das sicherlich nicht so toll finden. Wie soll ich aber für den Park über die Attraktion berichten, wenn ich nicht reingehe? Drittens, ich möchte mir das Thema, über das ich berichte, nicht so einschränken lassen. Natürlich wäre es interessant, bei den ganzen Veranstaltungen dabei zu sein und alles aus nächster Nähe zu sehen – und auch darüber zu berichten -, aber ich möchte mich nicht nur auf den Park beschränken. Ich möchte das mit dem Schatz vom Schwarzwald klären und noch viel mehr.”

Jetzt wirkte er richtig begeistert. Ihm gefiel seine Arbeit, das war offensichtlich. “Und als letztes bleibt natürlich das liebe Geld”, fügte er an. “Die Stelle ist nur auf ein Jahr als Probe ausgeschrieben gewesen, das ist in meinem Alter ein ziemliches Risiko. Was ist, wenn ich die besten Reportagen abliefere, aber das Publikum sie nicht hören will? Wenn dann dieser Posten nach einem Jahr wieder eingestampft wird? Oder ich durch einen anderen ersetzt werde? Um ein solches Risiko einzugehen, müsste die Bezahlung wesentlich – und ich meine WESENTLICH – besser sein, als sie beim meiner derzeitigen Tätigkeit ist. Grob geschätzt müsste man mir rund 30 – 50 % mehr zahlen als ich jetzt kriege. Und das wird nicht passieren. Nicht für so einen Job, für den ich genau genommen nicht mal eine richtige Ausbildung habe.”

Zach zog die Augenbrauen hoch. “Da fällt mir ein, ich weiß gar nicht, was Du eigentlich mal gemacht hast, bevor Du zum Projekt gekommen bist. Hast Du eine Ausbildung?”

“Aber ja!” Mac holte seinen Geldbeutel heraus, aus dem er eine Visitenkarte zog, die er mit den Worten “Meine Karte!” an Zach weitergab.

Sie sah so aus:

“Forscher? Ein bisschen vage”, stellte Zach fest.

“Egal wie”, ließ sich Mach nicht beeindrucken, “die Reporterstelle ist eine nette Idee, aber ich bin dafür definitiv der falsche Mann. Also mache ich weiter wie bisher.”

“Hast Du denn schon was für die Saison 2017?”

“Du meinst, außer dem ominösen Schatz vom Schwarzwald? Ja, irgendwas war, aber ob Du es mir glaubst oder nicht, ich komme nicht mehr drauf was. Ich wollte mich unbedingt dran erinnern, aber jetzt ist es weg.”

“Sowas wie ein Jubiläum?”

“Ja, sowas wie ein Jubiläum…”

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