„Spook Me!“ – Das Europa-Park-Musical – Eine Rezension

(c) Europa-Park
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„Theaterstücke mit Gesang“, oder neudeutsch „Musicals“ gibt es schon einige Zeit auch im Europa-Park. Allerdings waren diese zunächst eher für Kinder konzipiert und orientierten sich an bekannten Werken der Literatur, wie etwa „Pinocchio“, „Die Schöne und das Biest“ oder „Die kleine Meerjungfrau“. Schließlich aber hielten Musicalvorführungen Einzug im „Globe Theater“, wobei hier auch auf bestehende Werke zurückgegriffen wurde und die Handlung eher einfach war, sei es, dass eine einsame Frau aus ihrem Haus auszieht und von den Menschen, die ihr beim Umzug helfen, aufgemuntert wird („An English Love“ mit Liedern der Beatles) oder dass sich Menschen auf dem Bahnhof begegnen und sich die unterschiedlichsten Geschichten abspielen („Waterloo“ und „Waterloo Reloaded„). In der Weihnachtssaison gab es da schon Ansätze für mehr, aber auch hier orientierte man sich an bekannten Werken wie zum Beispiel Charles Dickens‘ „Weihnachtsgeschichte“ und verwendete ebenso bekannte Lieder. 2013 kam im Kinder-Musical-Theater dann mit „Der Gunkel“ eine Eigenproduktion des Europa-Park heraus. Aber Thomas Mack, Sohn von Parkchef Roland Mack, wollte schon länger eine große Musicalproduktion angehen. Diese Idee besprach er mit Hendrik Schwarzer, der die musikalische Untermalung des Europa-Park komponiert hat. Der wiederum holte den Texter Jan Lepold ins Boot. Lepold ließ sich vom Park selbst direkt inspirieren und entwickelte eine Geschichte um eine der ältesten und sicherlich kultigsten Attraktionen: das Geisterschloss im Italienischen Themenbereich. Ende September 2014 hatte das Musical „Spook Me!“ schließlich Premiere – passenderweise im „Teatro dell’Arte“.

Die Geschichte dreht sich um die Geister, die im Geisterschloss spuken. Ihr Herrscher ist der Geisterkönig Borbar, der seine Aufgabe, nämlich die Besucher des Geisterschlosses auf das Grusligste zu unterhalten, sehr ernst nimmt. Im Gegensatz dazu träumt Borbars Sohn Tao von der Welt der Menschen außerhalb des Schlosses. Er hat nämlich vor einiger Zeit ein Tagebuch gefunden, das eine Besucherin mit Namen Lily im Schloss verloren hat. Über das Buch erfährt er von der Welt „da draußen“ und will sie unbedingt kennenlernen. Borbar nimmt die Sehnsüchte seines Sohnes nicht ernst und das ruft die finstere Geisterfürstin Isperia auf den Plan. Sie schürt die Sehnsucht von Tao noch weiter und behauptet, er könne ganz einfach nach draußen gehen und mit den Menschen sprechen, was dazu führt, dass er das Schloss verlässt. Doch sein Weggang bricht Borbar das Herz, und das ist ganz in Isperias Sinn: Borbar fällt in einen tiefen Schlaf und wird vergehen. Wenn er nicht mehr ist, will Isperia sich selbst zur Herrscherin des Geisterschlosses aufschwingen und die Besucher nicht Grusel, sondern blanken Terror erleben lassen. Und auch Tao hat Probleme: Im Gegensatz zu dem, was Isperia behauptet hat, fürchten sich die Menschen vor ihm und wollen ihn einfangen…

Die Geschichte wird mit viel Gefühl und imposanter Musik erzählt. Hendrik Schwarzer versteht es wirklich, Stimmungen durch Melodien zu transportieren. Wenn es groß und imposant wird, spielen Bläser und Pauken laut in die Szene, wenn eher leise Töne gefragt sind, hört man Geigen, ein Klavier oder Flöten. Fantasievoll wird die Geschichte von den Texten von Jan Lepold erzählt. Sehr schön ist dabei, wie die Attraktion, um die es geht, nämlich das Geisterschloss, in die Erzählung eingebaut wird. Fans wird es begeistern, dass König Borbar tatsächlich Wort für Wort der Begrüßung spricht, die man in der „Fahrstuhlszene“ im Geisterschloss zu hören bekommt, oder dass selbst der Ritter, dem man unmittelbar nach dem Fahrstuhl begegnet und der unter seinem Visier einen Totenschädel offenbart, als Lakai mit in der Handlung dabei ist.

Getragen wird die Handlung von einem starken Ensemble. König Borbar wird dargestellt von Steffen Friedrich, der klassischen Gesang an der Musikhochschule in Dresden studiert hat und in unterschiedlichsten Opern, Operetten und Musicals auf Bühnen in ganz Deutschland zu sehen war, darunter Stücke wie „Les Misérables“, „Cats“ oder „Das Phantom der Oper“. Seine Gegenspielerin Isperia wird gesungen und gespielt von Anne Schilling, die zuvor unter anderem bei Cirque du Soleil und verschiedenen Dinnershows aufgetreten und auch schon im Europa-Park zu sehen war. Prinz Taos Darsteller ist Nicolas Boris Chrstahl, der Bühnenunterricht in Frankfurt am Main erhielt und ebenfalls schon in den unterschiedlichsten Musicalproduktionen zu sehen war. Zu Ornella de Santis, die Lily spielt, braucht man eigentlich nicht mehr viel zu sagen, wenn es um den Europa-Park geht, denn dort ist sie schon lange bekannt: Einer musikalischen Familie entstammend studierte sie an der Mannheimer Popakademie und war bereits Darstellerin in verschiedenen Musicalproduktionen im Europa-Park, sowohl im Kinder-Musical-Theater, als auch im „Globe“. Außerdem hat sie an der Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest „Unser Song für Baku“ teilgenommen und kam bis ins Finale.

Insgesamt ist es eine hochkarätige Produktion. Während der Halloween-Saison gab es täglich bis zu zwei Vorstellungen, die auch sehr gut besucht waren. Es wurden auch Stimmen laut, dass man auch mehr Vorstellungen pro Tag hätte ansetzen können. Vielleicht ist das eine Idee für die nächste Saison. Egal wie, es bleibt zu hoffen, dass dieses erste Europa-Park-Musical nächstes Jahr zu Halloween nochmals aufgeführt wird. Denn wer es diese Saison verpasst hat, der hat wirklich was verpasst. Natürlich gibt es die Aufführung als CD zum Nachhören, aber am Besten wirkt natürlich das Gesamtbild, die Darsteller, die Kulissen, die Kostüme und das Musical live vorgetragen von seinen Darstellern.

Als Fazit kann ich nur einen Einwohner von Rust wiedergeben, der einmal sagte: „Was die Familie Mack macht, das machen sie richtig!“ Und damit hat er nicht nur gemeint, dass die richtigen Entscheidungen getroffen werden, sondern dass man nichts macht unter dem Aspekt „ist ja ’nur‘ für einen Freizeitpark gedacht, da braucht man sich nicht so ins Zeug zu legen“. Man macht es eben richtig. „Spook Me!“ ist ein weiterer Beleg dafür.

Die CD zum Musical gibt es im Online-Shop des Europa-Park und im „kleinen Horrorladen“ im Italienischen Themenbereich.

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